Was tun bei Grundwasseranstieg / Grundhochwasser an störfall-relevanten Anlagen?

Störfallrelevante Anlagen sind von den Betreibern gegen Grundwasseranstieg und Grundhochwasser zu schützen. Dies erfordert eine Gefährdungsabschätzung, ggf. detaillierte Quellenanalyse und Maßnahmenkonzepte, soweit diese Gefahren störfallrelevante Anlagen betreffen.

Dabei wird zwischen Grundhochwasser als schnell eintretendem Ereignis und einem „schleichenden“ Grundwasseranstieg über einen längeren Eintrittszeitraum unterschieden. Grundhochwasser wird definiert als temporäre, unkontrollierte Aufspiegelung des Grundwassers. Ursachen hierfür können sein: lang anhaltender Niederschlag (Dauerregen), Schneeschmelze oder Überflutungen (im Auenbereich von Fließgewässern oder in Küstennähe) als „natürliche“ Ursachen sowie Abschaltung von Grundwasserhaltungen und –gewinnungsanlagen, gezielte Flutungen, Pumpwerksausfall als anthropogene Ursachen.

Gefährdet durch Grundhochwasser und Grundwasseranstieg sind v.a. unterirdische Tanks, erdverlegte Rohre, Kellerräume mit sicherheitsrelevanten Anlage (SRA) und Fundamente von Bauten mit SRA. Die Gefährdung geht u.a. von Zerstörung der Behältern mit wassergefährdenen Stoffen nach §§ 62 und 63 WHG, Versagen von Tragwerk und Grundwasseraustritt über Flur aus.

Der Betreiber störfallrelevanter Anlagen hat Vorkehrungen zu treffen, um das Auftreten von störfallrelevanten Ereignissen zu vermeiden oder in Häufigkeit und Stärke zu vermindern und die ggf. zu erwartenden Störfallauswirkungen zu begrenzen. Im Rahmen einer vereinfachten Gefahrenquellenanalyse sind Möglichkeiten einer Gefährdung abzuschätzen. Dabei werden als fachliche Stellungnahme Gefahrenquellen ausgeschlossen oder benannt.

Können Gefahrenquellen nicht ausgeschlossen werden, sind die sicherheitsrelevanten Anlagenteile und Betriebsbereiche zu identifizieren sowie Grad und Intensität der Gefährdung durch Grundwasseranstieg/-hochwasser als Störfalleintrittsvoraussetzungen zu quantifizieren. Dafür kann der Einsatz von Grundwassermodellen notwendig werden.

Die folgende Erarbeitung und Dokumentation eines Schutzkonzepts beinhaltet Szenarien und Schutzziele für einzelne Störfallszenarien, um die o.g. Gefährdungen zu vermindern oder auszuschließen. Das Schutzkonzept wird auf Wirksamkeit ggf. modellgestützt geprüft.

Treten Gefährdungen jenseits der bisher angenommenen Randbedingungen der Intensität von Gefahrenquellen oder bei Versagen von Schutzeinrichtungen auf, werden Maßnahmen zur Begrenzung der Auswirkungen dieser Störfälle erarbeitet.

Die Emscher und Lippe Wassertechnik GmbH ist seit Längerem mit Grundwasseranstieg in Folge von Bergsenkungen und modellgestützte Betrachtungen zu Grundhochwasserereignissen (instationärer Ansatz) befasst. Die im Zuge des Klimawandels verstärkten Phasen von Stark- und Dauerniederschlägen mit Auswirkungen auf das Grundwasser lassen eine zunehmende Bedeutung dieser Themen erwarten.

Autor:
Detlef Rieger

Veröffentlicht in:
Grundwasser – Zeitschrift der Fachsektion Hydrogeologie e.V.
Band 24, Heft 2
Juni 2019